A Eitrige und a 16a Blech!

Stell dir die Szene vor: Du bist nach einer durchtanzten Nacht in der Fluc-Wanne auf dem Heimweg, die Muskeln sind wohlig erschöpft, der Erfolg beim Geschlecht der Wahl blieb wieder einmal aus (na gut, vielleicht stehe da auch eher ich als du), und auf dem Weg kommst du an einem der berühmten Wiener Würstelstände vorbei. Etwas essen und noch ein Bier, das wärs jetzt. Vielleicht nicht ideal für den guten Schlaf, aber schlafen kann man ja seit Marilyn Monroe auch, wenn man schon tot ist. Also, ran an den Stand!

Der Würstelstandinhaber sieht dich fragend an. Was jetzt sagen? Man könnte natürlich einfach eine Wurst mit einem Bier bestellen, aber wir sind hier schließlich in Wien! Gut, dass du diesen Artikel gelesen hast. Als wohlinformierter Fremder, den selbst der schärfste FPÖler nicht von einem Bioösterreicher unterscheiden könnte, bestellst du natürlich „A Eitrige und a 16er Blech!“. Doch was wirst du dann bekommen?

Nun, wenden wir uns erstmal dem ersten Teil der Bestellung zu. Die Eitrige. Bekommen wirst du dafür eine sogenannte Käsekrainer, eine Schweinswurst mit eingelegten kleinen Käsewürfeln (meistens Emmentaler), die beim Braten schön zerlaufen, und beim Reinbeißen für Geschmack und gutes Mundgefühl sorgen.

Eine aufgeschnittene Käsekrainer mit eingelegten Käsestücken

Aber warum Eitrig? Nun, dem Österreicher im Allgemeinen und dem Wiener im Besonderen ist nichts heilig, vielmehr alles eine Gelegenheit für schmutzige Sprache1, und so konnte es nicht anders enden, als dass die Ähnlichkeit zwischen gewissen Körperausscheidungen im Hautbereich mit dem herausquellenden Käse aus der Käsekrainer zu einer neuen Wortschöpfung führte.

Eine eitrige Wunde

Soweit so gut.

Nun zum 16a Blech — was hat es hiermit auf sich? Bestellt wird damit eine Dose Ottakring, der Name für eine Biersorte aus Wien, die nun seit fast 200 Jahren im Wiener Bezirk Ottakring, dem die Stadt Wien die Nummer 16 verliehen hat, gebraut wird.

Karte des 16. Wiener Gemeindebezirks Ottakring

Daher das 16er Blech, das der berühmt maulfaule österreichische Mund zu 16a abkürzt. Das Blech ist wohl nicht schwer zu erraten, und bezeichnet die Darreichungsform des edlen Tropfens in einer Aluminiumdose.

Übrigens, erfunden wurde die Käsekrainer 1971 in Oberösterreich, nachdem davor oft beim Grillen eine Knacker (ziemlich dicke Wurst ohne Käse) aufgeschnitten und hemdsärmelig mit Käse verstaut wurde. Die ursprünglichen Erfinder hatten von ihrer Erfindung nicht viel, was wieder mal die These vom Erfindergeist als Quelle des betriebswirtschaftlichen Erfolgs widerlegt.

A Eitrige und a 16a Blech, das fertige Gericht am Würstelstand
Schönfärberisch dazu die Bildunterschrift bei Wikipedia, die hier nur eine Käsekrainer erkennen will.

  1. Wer da tiefer einsteigen will: Der kleine Wappler von Astrid Wintersberger (Residenz Verlag) ist eine hervorragende Klolektüre zum kleinen Preis.

    Buchcover: Der kleine Wappler — So flucht und schimpft Österreich
    ↩︎